3D-Drucker-Materialien selbst herstellen

Der 3D-Druck ist längst im Alltag angekommen - ob im Hobbykeller, im Ingenieurbüro oder in der Schule. Doch die Kosten für Filamente wie PLA, ABS oder PETG können sich auf Dauer summieren. Viele Nutzer in Deutschland fragen sich daher: Kann man 3D-Drucker-Materialien selbst herstellen? Die Antwort lautet: Ja - mit etwas Know-how, den richtigen Geräten und einem Bewusstsein für Qualität und Sicherheit. In diesem Blog erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie eigenes 3D-Druckmaterial herstellen, welche Vorteile und Herausforderungen es gibt und wie Sie dabei nachhaltig und kosteneffizient arbeiten.

1.Warum 3D-Drucker-Materialien selbst herstellen?

Das Selbermachen von Filamenten bringt gleich mehrere Vorteile:

(1)Kostenersparnis

Industriell hergestellte Filamente sind oft teuer. Durch das Recycling von Kunststoffabfällen oder Fehlprints können Sie Ihre Materialkosten deutlich senken.

(2)Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Immer mehr deutsche Haushalte achten auf Nachhaltigkeit. Das Wiederverwenden von Kunststoffabfällen reduziert Müll und schont Ressourcen - ein wichtiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

(3)Individuelle Materialeigenschaften

Selbst hergestellte Filamente lassen sich anpassen: Farbe, Härtegrad oder sogar spezielle Additive können individuell bestimmt werden.

2.Welche Materialien eignen sich zur Eigenherstellung?

Nicht alle Kunststoffe sind gleich gut für die Herstellung von DIY-Filament geeignet. Entscheidend sind vor allem Schmelztemperatur, Reinheit und Materialstabilität. Zu den beliebtesten Materialien für selbst hergestelltes Filament gehören:

(1)PLA (Polylactid) - ideal für Einsteiger

PLA ist eines der am häufigsten verwendeten Materialien im 3D-Druck. Es basiert auf nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke und ist vergleichsweise umweltfreundlich und biologisch abbaubar.

Vorteile:

  • Niedrige Verarbeitungstemperatur (ca. 180–200 °C)
  • Kaum Geruch beim Schmelzen
  • Geringe Verformung beim Druck

👉 Typische PLA-Quellen im Alltag:

  • Fehlgeschlagene 3D-Drucke aus PLA
  • Alte PLA-Filamentreste
  • Verpackungsmaterialien aus PLA (z. B. einige Bio-Kunststoffverpackungen)

(2)ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) - robust und hitzebeständig

ABS ist deutlich widerstandsfähiger als PLA und eignet sich gut für mechanisch belastete Bauteile.

Vorteile:

  • Hohe Stabilität und Schlagfestigkeit
  • Temperaturbeständiger als PLA

👉 Typische ABS-Quellen im Alltag:

  • Alte LEGO-Steine oder Spielzeuge
  • Gehäuse von Elektrogeräten
  • Kunststoffteile von Haushaltsgeräten

⚠️ Hinweis: ABS erzeugt beim Schmelzen Dämpfe - daher unbedingt gut lüften!

(3)PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) - flexibel und langlebig

PETG kombiniert die Vorteile von PLA und ABS: Es ist relativ einfach zu drucken und gleichzeitig robust.

Vorteile:

  • Hohe Flexibilität und Zähigkeit
  • Gute chemische Beständigkeit

👉 Typische PETG-Quellen im Alltag:

  • Getränkeflaschen (PET)
  • Lebensmittelverpackungen
  • transparente Kunststoffbehälter

💡 Wichtig: PET-Flaschen müssen gründlich gereinigt und sortenrein getrennt werden.

(4)Weitere recycelbare Materialien aus dem Alltag

Neben den klassischen 3D-Druckmaterialien können auch folgende Kunststoffe unter bestimmten Bedingungen wiederverwendet werden:

  • HDPE (z. B. Milchflaschen, Shampoo-Flaschen)
  • PP (z. B. Joghurtbecher, Deckel)
  • PS (z. B. Verpackungsschalen)

Diese Materialien sind jedoch schwieriger zu verarbeiten und eher für Fortgeschrittene geeignet.

 

Wichtige Grundregel: Sortenreinheit

Beim Recyceln gilt:
👉 Unterschiedliche Kunststoffe niemals mischen!

Jedes Material hat einen anderen Schmelzpunkt - eine Mischung führt zu schlechter Filamentqualität und Druckproblemen.

3.Benötigte Geräte und Werkzeuge

Um eigenes Filament herzustellen, benötigen Sie eine Grundausstattung für DIY-Filamentproduktion. Diese kann je nach Budget von einfachen DIY-Lösungen bis hin zu professionellen Geräten reichen.

(1) Kunststoffschredder - Vorbereitung des Rohmaterials

Ein Kunststoffschredder zerkleinert alte Druckteile oder Haushaltskunststoffe in kleine, gleichmäßige Stücke (Granulat).

👉 Geeignete Materialien für den Schredder:

  • Fehlgeschlagene 3D-Drucke
  • Filamentreste
  • Getränkeflaschen (zuvor zerschnitten)
  • Plastikdeckel und Verpackungen

💡 Tipp: Entfernen Sie vorher Etiketten, Kleber und Fremdstoffe.

(2) Filament-Extruder - Herzstück der Filamentherstellung

Der Extruder erhitzt das Granulat und presst es durch eine Düse zu einem gleichmäßigen Filamentstrang.

👉 Wichtige Funktionen:

  • Temperaturregelung je nach Material (PLA, ABS, PETG)
  • Anpassbare Extrusionsgeschwindigkeit
  • Gleichmäßiger Durchmesser (z. B. 1,75 mm oder 2,85 mm)

💡 Für Einsteiger gibt es kompakte Desktop-Extruder, während Profis industrielle Geräte nutzen.

(3) Kühl- und Spulensystem - für saubere Ergebnisse

Nach dem Austritt aus der Düse muss das Filament kontrolliert abgekühlt werden, damit es seine Form behält.

Typische Lösungen:

  • Wasserbad zur schnellen Kühlung
  • Luftkühlung mit Ventilatoren
  • Automatisches Spulensystem zum gleichmäßigen Aufwickeln

Ein gleichmäßiges Aufspulen verhindert späteres Verknoten beim Drucken.

(4) Messgeräte - für gleichbleibende Qualität

Ein präziser Filamentdurchmesser ist entscheidend für gute Druckergebnisse.

👉 Wichtige Messwerkzeuge:

  • Digitaler Messschieber
  • Laser-Durchmesser-Messsysteme
  • automatische Kalibrierungssysteme

Der Zielwert liegt meist bei:

  • 1,75 mm ± 0,05 mm oder
  • 2,85 mm ± 0,05 mm

(5)Zusätzliche sinnvolle Tools

Für bessere Ergebnisse empfehlen sich außerdem:

  • Filament-Trockner (verhindert Feuchtigkeit im Material)
  • Luftdichte Aufbewahrungsboxen mit Silica-Gel
  • Schutzausrüstung (Handschuhe, Schutzbrille, Atemschutz bei ABS)

Praxis-Tipp aus dem Alltag

Viele Maker in Deutschland sammeln gezielt Plastikabfälle aus dem Haushalt, z. B.:

  • Joghurtbecher
  • Shampoo-Flaschen
  • Verpackungsschalen
  • alte Kunststoffboxen

Diese werden sortiert, gereinigt und anschließend zu neuem Filament verarbeitet - ein perfektes Beispiel für nachhaltigen 3D-Druck im Alltag.

Viele Maker in Deutschland sammeln gezielt Plastikabfälle aus dem Haushalt

4.Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Filamentherstellung

Schritt 1: Material sammeln und sortieren

Sammeln Sie alte Druckteile, Fehlprints oder Kunststoffabfälle. Wichtig: Materialien nicht mischen, da unterschiedliche Schmelzpunkte Probleme verursachen können.

Schritt 2: Zerkleinern

Zerkleinern Sie das Material mit einem Schredder in gleichmäßige Granulate.

Schritt 3: Trocknen

Feuchtigkeit im Kunststoff kann zu Blasenbildung führen. Trocknen Sie das Granulat im Ofen oder einem speziellen Trockner.

Schritt 4: Extrusion

Führen Sie das Material in den Extruder ein. Achten Sie auf die richtige Temperatur (PLA ca. 180–200 °C, ABS ca. 220–240 °C).

Schritt 5: Kalibrierung

Kontrollieren Sie während der Extrusion den Filamentdurchmesser und passen Sie die Geschwindigkeit entsprechend an.

Schritt 6: Aufspulen

Das fertige Filament wird gleichmäßig auf eine Spule gewickelt und ist bereit für den Einsatz.

5.Qualitätskontrolle: Worauf Sie achten sollten

Selbst hergestelltes Filament kann nur dann überzeugen, wenn die Qualität stimmt:

  • Konstanter Durchmesser (±0,05 mm)
  • Keine Luftblasen oder Verunreinigungen
  • Gleichmäßige Farbe und Struktur

Testen Sie Ihr Filament zunächst mit einem kleinen Druckobjekt, bevor Sie größere Projekte starten.

6.Sicherheitsaspekte bei der Herstellung

Bei der Arbeit mit geschmolzenem Kunststoff entstehen Dämpfe und Hitze. Beachten Sie daher:

  • Arbeiten Sie in gut belüfteten Räumen
  • Verwenden Sie hitzebeständige Handschuhe
  • Vermeiden Sie das Einatmen von Dämpfen, besonders bei ABS

7.Kosten-Nutzen-Analyse: Lohnt sich der Aufwand?

Die Anschaffungskosten für Extruder und Schredder können zwischen 300 und 1500 Euro liegen. Für Vielnutzer oder Unternehmen kann sich diese Investition schnell amortisieren. Für Gelegenheitsnutzer lohnt es sich vor allem aus ökologischer Sicht.

DIY-Filament vs. gekauftes Filament

Kriterium

DIY-Filament

Industrielles Filament

Preis

Niedrig

Höher

Qualität

Schwankend

Konstant

Nachhaltigkeit

Sehr hoch

Mittel

Individualisierung

Hoch

Begrenzt

8.Tipps für bessere Ergebnisse

  • Verwenden Sie nur sauberes, sortenreines Material
  • Experimentieren Sie mit Farbpigmenten für individuelle Designs
  • Lagern Sie Filament trocken (z. B. in luftdichten Boxen mit Silica-Gel)
  • Dokumentieren Sie Ihre Einstellungen für reproduzierbare Ergebnisse

9.Zukunftstrend: Nachhaltiger 3D-Druck in Deutschland

In Deutschland gewinnt das Thema nachhaltiger 3D-Druck zunehmend an Bedeutung. Schulen, Universitäten und Unternehmen investieren in Recyclinglösungen für Filamente. Initiativen zur Kreislaufwirtschaft fördern die Wiederverwertung von Kunststoffen und reduzieren den ökologischen Fußabdruck des 3D-Drucks.

Fazit

Das Selbstherstellen von 3D-Drucker-Materialien ist eine spannende Möglichkeit, Kosten zu sparen, nachhaltiger zu arbeiten und die Kontrolle über den eigenen Druckprozess zu übernehmen. Zwar erfordert es eine gewisse Anfangsinvestition und technisches Verständnis, doch die Vorteile überwiegen - besonders für ambitionierte Maker und professionelle Anwender in Deutschland.

Wenn Sie bereits einen 3D-Drucker besitzen und regelmäßig drucken, lohnt es sich definitiv, die Eigenproduktion von Filamenten auszuprobieren. Mit der richtigen Ausrüstung und etwas Übung können Sie hochwertige Materialien herstellen und gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

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